«Isa, ich will mich einfach nicht so einschränken.»
Diesen Satz hab ich in den letzten Jahren mit über 700 Coachinnen und Selbständigen gehört. Immer wieder. In fast jedem Gespräch. Und ich versteh ihn total.
Vielleicht hast du schon mit Männern und Frauen gecoacht und beides hat dir Spaß gemacht. Vielleicht ging’s um Beziehungsthemen, um große Lebensentscheidungen, um Emotionen, um den Berufskontext. Und jetzt sollst du dich auf eine Coaching Nische festlegen? Das fühlt sich an wie ein Haftbefehl.
Deshalb reden wir heute genau darüber. Denn ich glaube: Es gibt hier ein ziemlich großes Missverständnis. Und ganz ehrlich, ich will auch nicht, dass du dich eingesperrt fühlst. Das soll niemals das Ziel einer Nische sein.
Der Ratschlag «such dir einfach irgendeine Nische aus» ist mittlerweile ungefähr das Schlechteste, was du bekommen kannst. Was online oft als «Nische finden» verkauft wird, ist nämlich viel zu simpel gedacht. Lass uns das einmal richtig auseinandernehmen.
Was ist eine Nische überhaupt?
Bevor wir zu den Denkfehlern kommen, kurz zur Klärung: Eine Nische ist kein großer Markt wie «Beziehungscoaching». Eine Nische ist ein kleineres Marktsegment. Eine bestimmte Zielgruppe, eine bestimmte Situation oder eine bestimmte Methode.
Also nicht Gesundheitscoaching, sondern Ernährungsberatung für Selbständige. Nicht Karriere-Coaching, sondern Karriere-Coaching für Mütter in der Elternzeit.
Von der Methode als Nische (zum Beispiel Human Design oder Hypnose) rate ich eher ab, wenn diese Methode nicht ohnehin schon bekannt ist. Die meisten Methoden brauchen zu viel Erklärung, um allein als Nische zu funktionieren.
Und jetzt zu den 3 Denkfehlern, die ich immer wieder höre. Nicht, weil ich mir ausdenke, was du denkst, sondern weil ich einfach zuhöre, was meine Kundinnen sagen, und erkenne, welcher Denkfehler dahintersteckt.
Denkfehler #1: Eine Nische ist keine Berufsbezeichnung
Lass das kurz stehen und wirken: Eine Nische ist keine Berufsbezeichnung.
Wenn du dich über ein Thema positionierst, zum Beispiel «Business Coach für Frauen» oder «Achtsamkeits-Coach», dann ist das eine Bezeichnung. Aber diese Bezeichnung sagt noch gar nichts aus.
Was die meisten dabei vergessen: Du musst dich über ein konkretes Ergebnis positionieren, für eine konkrete Person in einer konkreten Situation. «Ich bin Achtsamkeits-Coach» ist keine Nische. Diese Berufsbezeichnung ist nur ein Etikett.
Und genau deshalb fühlt sich diese Nische eng an. Du drückst dir eine Rolle auf, wie ein Achtsamkeits-Coach oder ein Business Coach eben sein muss. Gleichzeitig fühlt es sich beliebig an, weil es da draußen schon 100 andere mit demselben Etikett gibt.
Du schränkst dich also gefühlt ein, ohne den Vorteil einer echten Nische zu haben. Das ist ungefähr das Schlechteste, was passieren kann. Deshalb: Deine Berufsbezeichnung als Coach ist komplett wurscht. Außer du willst genau darüber eine Marke aufbauen (der Perfektionismus-Coach zum Beispiel), spielt sie keine Rolle.
Denkfehler #2: Von außen nach innen statt umgekehrt
Das hier ist der große Denkfehler.
Wenn du in Marketingbüchern nachliest oder googelst, wie du dich positionierst, bekommst du immer dieselbe Vorgehensweise: Erst eine Marktanalyse. Was gibt’s schon da draußen, was ist gefragt, wo ist deine Lücke?
Das Problem: Die meisten pressen sich dann in eine Lücke, die vielleicht überhaupt nicht zu ihnen passt. Und genau das erzeugt dieses Gefühl von Enge, von Reingepresstsein, von Einschränkung.
Es fühlt sich an wie ein Karnevalskostüm. Du probierst es eine Weile aus und merkst schnell: Das bin ich aber eigentlich gar nicht. Das führt dazu, dass manche ins Nischenhopping geraten. Von einer Nische zur nächsten, weil sie immer wieder eine neue Lücke entdecken und denken, das könnte es sein. Nach ein paar Wochen: Passt auch nicht.
Der Fehler ist nicht die Entscheidung für eine Nische. Der Fehler ist die Reihenfolge.
Ich bin kein Fan davon, zuerst eine Marktanalyse zu machen. In meiner Methode drehen wir das um: Erst gucken wir, was du mitbringst, was dein USP ist, was deine Erfahrung ist. Erst danach schauen wir, was der Markt braucht und wo der Match zwischen beidem liegt.
So findest du eine Nische, die wirklich zu dir passt. Und wenn sie wirklich passt, fühlt sie sich nicht mehr nach Einschränkung an, weil du sie von innen nach außen definiert hast.
Denkfehler #3: Die Nische als lebenslange Entscheidung
Der dritte Denkfehler ist mir selbst so selbstverständlich, dass ich ihn fast vergessen hätte, ihn laut auszusprechen: Viele behandeln ihre erste Nische wie eine lebenslange Entscheidung.
Aber deine Nische ist kein Arschgeweih, das dich für immer sticht. Kein Tattoo, das du für den Rest deines Lebens trägst. Eine Nische ist umkehrbar. Eine Entscheidung, die du später wieder ändern kannst.
Wenn du deine Nische aber wie eine Lebensentscheidung behandelst, wird die Entscheidung selbst riesig überladen. Die Angst, dich falsch zu entscheiden, wächst ins Unermessliche. Und dann muss sie perfekt sein, und dann meditierst du nochmal vier Wochen darüber.
Zur Erinnerung: Deine Nische ist eine Entscheidung für die nächsten 6 bis 12 Monate. Nicht länger. Mehr Commitment brauchst du nicht, weder für deine erste noch für jede weitere Nische. Wir wissen alle nicht, was in einem Jahr ist. Kommt die nächste Krise, gibt’s einen Wirtschaftscrash, wer weiß. Die Welt verändert sich, du entwickelst dich weiter, der Markt entwickelt sich weiter. Das ist eine große Freiheit, keine Bedrohung.
4 neue Perspektiven auf deine Nische
Neben den Denkfehlern hab ich dir noch ein paar Perspektiven mitgebracht, falls du immer noch Angst hast, dich mit deiner Nische zu sehr einzuschränken.
1. Eine Nische ist eine Übersetzung, keine Einschränkung
Mit meinem Inside-Out-Ansatz schauen wir erst, was du mitbringst: deine Erfahrung, deine Qualifikationen, deine Geschichte. Dann, was die Welt davon braucht. So kommt deine Nische von innen, nicht von außen. Sie spiegelt, was für dich authentisch ist und wofür du wirklich stehen kannst.
Hier geht’s nicht darum, deine Möglichkeiten zu reduzieren. Es geht darum, sie so zu verpacken, dass deine Wunschkundin sie versteht. In ihrer Sprache, an ihrem Punkt abgeholt, ohne ein Psychologiestudium oder drei Coachingausbildungen vorauszusetzen.
Viele Coachinnen verpacken ihre Nische in Worten, die für sie selbst richtig klingen. Aber deine Kundin hat diese Erfahrungen nicht gemacht, diese Bücher nicht gelesen, diese Podcasts nicht gehört. Sie kennt deine Sprache einfach nicht. Deshalb ist eine Nische niemals eine Einschränkung, sondern eine Übersetzung für deine Wunschkundin.
2. Deine Nische ist kein Arschgeweih, sondern ein Haarschnitt
Jede Entscheidung im Leben ist entweder ein Hut, ein Haarschnitt oder ein Tattoo. Einen Hut wechselst du täglich. Ein Tattoo trägst du für immer (zumindest meistens). Und ein Haarschnitt? Den hast du für ein paar Monate, vielleicht ein Jahr.
Die Entscheidung für deine Nische ist eine Haarschnitt-Entscheidung. Keine Tattoo-Entscheidung. Auch keine Hut-Entscheidung, denn wir wollen sie nicht täglich wechseln, aber für 6 bis 12 Monate ist sie genau richtig.
Die Zeit, die du mit Weiterüberlegen und Weiterforschen verbringst, kommt nicht zurück. Deshalb: Lieber 6 oder 12 Monate in die «falsche» Richtung gehen, ein paar Fehlentscheidungen treffen und dabei Erfahrung sammeln, als ein Jahr lang gar nichts zu tun und auf derselben Frage rumzukauen.
3. Konkret schlägt vage, immer
Eine konkrete Nische ist tausendmal besser als eine schwammige. Ja, mit einer engen Nische schließt du Menschen aus. Und das ist auch gut so.
Rechenbeispiel: Wenn du versuchst, 100 % der Menschen in Deutschland anzusprechen, sind das rund 84 Millionen. Um die zu erreichen, brauchst du die Tagesschau, die Bild-Zeitung oder ein Werbebudget, das dir schwindlig macht.
Bist du dagegen klar in deiner Nische und sprichst nur ein Prozent davon an, wird’s plötzlich leicht. Weil diese Menschen sich sofort angesprochen fühlen. «Das hier ist für angestellte Frauen in ihren Dreißigern» schließt 90 % aus, aber die verbleibenden 10 % denken: Sie meint mich.
Je konkreter du bist, desto leichter ziehst du genau die Menschen an, die du wirklich meinst. Je vager du bist, desto schwieriger wird’s, die richtigen Menschen zu erreichen, und desto mehr Anfragen bekommst du von Leuten, bei denen du dich fragst, was die eigentlich hier wollen.
4. Eine vage Nische zwingt dich, dich für alle zu verbiegen
Wenn du deine Nische vage hältst, passiert automatisch etwas: Du fängst an, dich für jede Kundin zu verbiegen. Dein Angebot passt für die eine, aber nicht für die andere. Die dritte will nur in Raten zahlen, die vierte kann nur abends, weil sie ein kleines Kind hat.
Das passiert nicht nur bei deinen Kundinnen, sondern schon vorher in deiner Kommunikation. Du überlegst dir bei jedem Post, für wen du gerade postest und wann. Das macht alles komplizierter, unklarer und schwerer durchzuziehen, weil du versuchst, es allen recht zu machen.
Der beste Schutz davor: Von Anfang an klar sein, mit wem du zusammenarbeitest, zu welchen Bedingungen, was du anbietest und wo deine Grenzen liegen. Und das beginnt bei deiner Nische.
Zusammengefasst: Die 3 Denkfehler
- Eine Nische ist keine Berufsbezeichnung
- Du positionierst dich von außen nach innen statt umgekehrt
- Du behandelst deine Nische als lebenslange Entscheidung
Eine Nische ist kein Arschgeweih. Sie gibt dir Freiheit, auch wenn sie sich für andere nach Einschränkung anfühlt. Für dich ist sie die perfekte Übersetzung für deine Wunschkundin.
Bereit, deine Nische wirklich festzulegen?

Wenn du gerade denkst, «okay Isa, ich hab’s gecheckt», dann hab ich was für dich: meinen Mini-Workshop Nail Your Nische. Damit definierst du an einem Nachmittag deine Nische, und zwar so, dass du wirklich dahinterstehen kannst und nicht mehr ins Schwitzen kommst, wenn Tante Susanne bei der Familienfeier fragt, was du eigentlich genau machst.
Als Hilfe bekommst du 3 KI-Prompts, die ich selbst für meine Positionierung genutzt hab. Am Ende spucken sie dir 3 konkrete Nischenideen aus, die zu dir und deiner Erfahrung passen und auf dem Markt wirklich funktionieren, weil es dafür echte Nachfrage gibt.
