Es gibt diesen einen Moment, über den kaum jemand spricht. Nicht der Moment, in dem du als Coachin ganz am Anfang stehst und deine erste Nische suchst. Sondern der viel leisere, fast schon unbequeme Moment, der irgendwann später kommt: Du bist seit Jahren selbstständig, deine Positionierung hat funktioniert, du hast echte Ergebnisse mit deinen Kundinnen erreicht. Und trotzdem sitzt da dieses Gefühl, dass dir deine alte Positionierung langsam zu eng wird wie eine Jacke, die du mal geliebt hast.
Wenn du gerade nickst, dann ist dieser Artikel für dich. Wir schauen uns heute ganz in Ruhe an, wann es wirklich Sinn macht, deine Positionierung zu ändern, und wann du besser noch mal tief durchatmest, bevor du alles über den Haufen wirfst. Denn beides kommt vor, und der Unterschied entscheidet ziemlich viel.
Inhalt
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Aus deiner Nische rausgewachsen? Das ist kein Fehler
Lass uns gleich zu Beginn mit einem Reframe starten, weil ich glaube, dass du den brauchst, bevor wir tiefer gehen: Wenn du aus deiner Nische rausgewachsen bist, dann ist das kein Fehler. Es ist einfach ein Zeichen, dass du gewachsen bist. Kurzer Applaus an dieser Stelle 👏
Die Positionierung, die dich von Punkt A nach Punkt B gebracht hat, ist nicht automatisch die, die dich auch zu Punkt C, D und E bringen wird. Und das ist ganz normal. Du entwickelst dich weiter, dein Business entwickelt sich weiter, du bist einfach nicht mehr dieselbe Person wie vor drei oder fünf Jahren.
Ich finde diesen Punkt deshalb so wichtig, weil wir als Selbstständige eine merkwürdige Vorstellung mit uns herumtragen. Als Angestellte ist es völlig normal, alle drei bis fünf Jahre den Job zu wechseln, manche machen mit 45 noch mal etwas komplett anderes. Aber sobald wir uns selbstständig machen, glauben wir plötzlich, dass wir bis ans Lebensende das Gleiche machen müssen. Warum eigentlich? Ich habe in fast elf Jahren Selbstständigkeit meine Positionierung ungefähr viermal neu definiert oder nachgeschärft. Nicht weil mir langweilig war, sondern weil ich mich weiterentwickelt habe.
Aber (und das ist ein großes Aber): Nicht jede Unzufriedenheit ist ein Zeichen, dass du deine Positionierung ändern musst. Manchmal ist es sogar genau das Gegenteil. Deswegen nehmen wir das jetzt mal sauber auseinander.
Wann du deine Positionierung NICHT ändern solltest
Bevor du losrennst und alles umwirfst, hier drei Situationen, in denen du erstmal die Finger von einer Neupositionierung lassen solltest.
1. Wenn der Frust ganz frisch ist. Du hast gerade drei Absagen kassiert oder ein Launch ist nicht so gelaufen, wie du gehofft hattest? Dann ist das der schlechteste Moment für eine Grundsatzentscheidung. Du steckst noch voll in den Emotionen, lädst die Sache vielleicht zu sehr auf, und am Ende ist es einfach eine Flucht. Mit echter Entwicklung hat das nichts zu tun.
2. Wenn du einfach gelangweilt bist. Meistens sind wir ja die Ersten, die unsere eigene Botschaft nicht mehr hören können, weil wir sie schon tausendmal wiederholt haben. Deine Wunschkundin hört sie aber zum ersten Mal. Und sie braucht diese Wiederholung, damit sie dir vertraut und bei dir bucht. Wenn du gerade Abwechslung brauchst: Hol sie dir woanders. Aber wirf nicht deine Nische über den Haufen, nur weil dir gerade fad ist.
3. Wenn du noch keine echten Ergebnisse hast. Das ist der wichtigste Punkt. Wenn deine Positionierung nie wirklich funktioniert hat, dann bist du nicht aus ihr rausgewachsen. Dann stand das Fundament einfach nie richtig. Und da hilft keine neue Nische, sondern bessere Klarheit über die jetzige. In den allermeisten Fällen braucht es da einfach Schärfe: die richtigen Worte, die deine Kundinnen wirklich benutzen und hören müssen.
Großer Disclaimer also: Wenn du mit deiner aktuellen Positionierung noch keine Ergebnisse erreicht hast, dann fass sie nicht an. Erst Klarheit, dann Veränderung.
Schärfen statt abreißen: der Unterschied, der alles verändert
Hier kommt eine Wahrheit, die vielen das Leben leichter macht: In den meisten Fällen reicht es, nachzuschärfen, statt etwas komplett neu aufzubauen. Sehr viele Coachinnen denken, sie brauchen eine völlig neue Positionierung, dabei brauchen sie eigentlich nur eine schärfere Version derselben. Dieselbe Zielkundin, einfach präziser angesprochen. Dasselbe Thema, einfach ein klareres Angebot drumherum.
Ich habe dafür ein Bild, das mir immer wieder in den Kopf kommt: Du reißt nicht das ganze Haus ab. Du baust vielleicht einen Raum neu, wechselst die Haustür oder verlegst den Boden neu. Aber du optimierst, du sprengst nicht das Fundament.
Und noch ein Bild, das vielleicht hilft: Deine Positionierung ist kein Tattoo, das du für immer trägst. Aber sie ist auch kein Wegwerfartikel. Ich habe mal gehört, jede Entscheidung im Leben ist entweder eine Hutentscheidung, eine Haarschnittentscheidung oder eine Tattooentscheidung. Deine Positionierung ist eher die Haarschnittentscheidung. Du entscheidest sie für die nächsten Monate und Jahre. Sie ist nicht für die Ewigkeit, aber eben auch nicht etwas, das du jeden Tag wechselst. Also: lieber noch mal durchatmen und überlegen, ob du nachschärfen kannst, bevor du alles wegschmeißt.
6 Symptome, dass es Zeit ist, deine Positionierung zu ändern
So, ich habe dir ja versprochen, dass wir auch über die andere Seite sprechen. Hier sind die sechs Symptome, an denen du erkennst, dass du wirklich aus deiner Positionierung rausgewachsen bist und es Zeit ist, deine Nische zu wechseln oder neu auszurichten.
Symptom 1: Du langweilst dich bei deinen eigenen Calls. Nicht weil die Kundin gerade nicht so toll ist, sondern weil dein Herz für etwas anderes schlägt als die Frau, die da vor dir sitzt. Wenn das konstant so ist und du keine echte Verbindung mehr aufbauen kannst, weil du über diesen Punkt einfach schon so lange hinweg bist, dann ist das ein Indikator.
Symptom 2: Du ziehst Kundinnen an, mit denen du gar nicht mehr arbeiten willst. Deine Positionierung, die Art, wie du über dein Thema sprichst, holt immer noch die Menschen ab, die vor drei Jahren deine idealen Kundinnen gewesen wären. Aber du bist nicht mehr die Coachin von vor drei Jahren.
Symptom 3: Du erklärst dich ständig. Wenn dich jemand fragt, was du machst, ruderst du zurück, fügst Erklärungen hinzu, wirst immer unschärfer. Bei Anfängerinnen ist das ein Zeichen für fehlende Schärfe. Aber wenn du schon Jahre mit Kundinnen arbeitest und dich trotzdem gefühlt immer mehr erklären musst, dann beschreibt der Satz, der dich mal beschrieben hat, dich heute einfach nicht mehr. Die Jacke passt nicht mehr.
Symptom 4: Dein Content fühlt sich an wie eine alte Jacke. Du postest Dinge, von denen du weißt, dass deine Kundinnen sie hören müssen, aber du stehst nicht mehr zu hundert Prozent dahinter. Du schreibst für eine Zielgruppe, die du innerlich längst hinter dir gelassen hast. Das ist etwas anderes, als vom eigenen Content gelangweilt zu sein. Hier fragst du dich: Ist das eigentlich noch das, wofür ich heute stehe?
Symptom 5: Du sagst innerlich „ja, aber» zu deinem eigenen Angebot. Du verkaufst es, du lieferst es, es funktioniert. Und trotzdem ist da diese leise Stimme: „Das ist nicht mehr ganz das, was ich machen will.» Die Dinge, die wir gut können, sind eben nicht automatisch die Dinge, die wir gern machen. Und auch das verändert sich im Laufe eines Lebens.
Symptom 6: Deine besten Kundinnen fragen nach etwas, das du (noch) nicht anbietest. Das ist so ein leiser Wegweiser. Oft merken deine Kundinnen unbewusst schon, was du ihnen noch bieten könntest, und fragen danach. Du fühlst dich nur noch nicht sicher genug. Achte hier auf den Unterschied: Fragen sie, weil sie glauben, dass du es liefern kannst, oder weil sie spüren, dass dein Herz dafür schlägt? Auf das Zweite würde ich auf jeden Fall hören.
Wenn du bei zwei oder drei dieser Punkte genickt hast, dann ist das dein Reminder und deine Erlaubnis. Nicht weil du vorher alles falsch gemacht hast. Im Gegenteil, es hat dich ja hierher gebracht. Sondern weil du bereit bist für den nächsten Schritt.
Flucht oder echte Entwicklung? Der eine Filter, an dem du es festmachst
Hier ist die wichtigste Abgrenzung, und gleichzeitig der Filter, an dem du deine Entscheidung wirklich festmachen kannst.
Wenn du deine Positionierung ändern willst, weil gerade nichts gebucht wird oder weil dir langweilig ist, dann wird eine neue Nische dein Problem nicht lösen. Da fehlt oft einfach Klarheit. Double down on it: Werde noch klarer, wer deine ideale Kundin ist, statt in eine neue Nische zu flüchten.
Aber wenn du Ergebnisse hast, wenn du Erfahrung hast und trotzdem spürst, dass du rausgewachsen bist, dann ist eine neue Positionierung kein Rückschritt. Dann ist sie überfällig.
Und ein ehrlicher Seitengedanke: Eine bestehende, erfolgreiche Positionierung zu schärfen fühlt sich oft riskanter an, als ganz am Anfang die erste zu finden. Weil mehr auf dem Spiel steht. Das ist völlig normal. Es macht die Entscheidung nicht falsch.
Eine neue Positionierung finden, ohne dein ganzes Business abzureißen
Die gute Nachricht zum Schluss: Deine Positionierung neu auszurichten bedeutet nicht, dass du dein ganzes Haus niederbrennen, von null starten oder einen neuen Instagram-Account aufmachen musst. Es gibt Wege, das im laufenden Business zu machen, on the go, ein Schritt nach dem anderen. Ohne halbjährige Pause, ohne komplett neues Angebotsportfolio.
Es startet einfach mit der Entscheidung, dass jetzt der Moment ist, eine neue Richtung zu wählen. Aus einer Nische rauszuwachsen ist kein Scheitern. Es ist der Beweis, dass du arbeitest, dass du dich entwickelst und dass du eine echte Unternehmerin bist.
Du bist genau an diesem Punkt? Dann lass uns sprechen!
Für genau diesen Moment habe ich Re:Position gebaut. Ein 1:1 Sprint-Angebot für Coachinnen, Expertinnen und Trainerinnen, die schon mittendrin sind in ihrem Business und ihre Positionierung neu ausrichten wollen. Das ist keine Anfängerinnenarbeit, sondern das Schärfen eines Fundaments, das schon steht.
→ Hier findest du alle Infos zu Re:Position (inkl. der ersten Plätze zum Einführungspreis)
Wenn du dir unsicher bist, ob du wirklich schon an diesem Punkt bist, dann schreib mir einfach eine Direktnachricht auf Instagram oder buch dir einen Clarity Call. Wir schauen gemeinsam, ob Re:Position für dich gerade wirklich Sinn macht.
Die ganze Folge zu diesem Thema hörst du übrigens hier: zur Podcast-Episode auf Spotify oder Apple Podcasts
Häufige Fragen zum Thema Positionierung ändern
Woran erkenne ich, ob ich meine Positionierung ändern oder nur nachschärfen sollte? Frag dich: Hast du mit deiner aktuellen Positionierung echte Ergebnisse erreicht? Wenn nein, brauchst du keine neue Nische, sondern mehr Klarheit und Schärfe in der bestehenden. Wenn ja, und du spürst trotzdem, dass du rausgewachsen bist, dann ist eine Neuausrichtung sinnvoll.
Ist es ein schlechtes Zeichen, wenn ich meine Nische wechseln will? Nein. Aus einer Nische rauszuwachsen ist kein Fehler, sondern ein Zeichen, dass du dich weiterentwickelt hast. Problematisch wird es nur, wenn der Wunsch aus frischem Frust oder Langeweile kommt, statt aus echter Entwicklung.
Muss ich für eine neue Positionierung mein ganzes Business neu aufbauen? Nein. Eine Neuausrichtung lässt sich gut im laufenden Business umsetzen, Schritt für Schritt, ohne Pause, ohne neuen Account und ohne komplett neues Angebot.
